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Homosexualität: Meine 10 Kerngedanken

von Johannes Justus — abgelegt in Sonstiges am 05. Mai 2017

In den letzten Jahren meines Dienstes wurde mir wahrscheinlich keine Frage so häufig gestellt wie die Frage nach meiner Meinung zu gleichgeschlechtlicher Partnerschaft.

Manchmal erkennt man an der Art der Fragestellung die theologische oder anthropologische Absicht des Fragestellers – also sein Gottesbild bzw. sein Menschenbild. Und manchmal fühlt es sich so an, als würde mich der Fragesteller anhand meiner Antwort beurteilen wollen; so, als könne man einen ganzen Menschen auf eine einzige Meinung reduzieren. Ich denke allerdings, wir sollten uns nicht vorschnell in bestimmte Gedankenmuster und Schubladen einsortieren. Stattdessen sollten wir uns ehrlich mit der Meinung des anderen auseinandersetzen. Empathie, Verstehen-Wollen, andere Sichtweisen aushalten, Respekt entgegenbringen, dem anderen Gutes unterstellen: All das bereitet vielleicht Mühe, ist aber so wichtig für unser Miteinander.

Da unsere gesellschaftspolitischen Debatten schon seit Jahren von Fragen rund um den Themenkomplex Homosexualität bestimmt werden, sehen sich Christen und Kirchen herausgefordert: Gibt es so etwas wie eine christliche Sicht? Wie verhalten wir uns gegenüber Homosexuellen? Sind Geschlechterrollen wirklich anerzogen? Hat Gott dazu eigentlich etwas zu sagen? Und wie kann uns die Bibel auf der Suche nach Antworten weiterhelfen?

Im Folgenden möchte ich versuchen, meine 10 Kerngedanken zu dieser Diskussion wiederzugeben. Natürlich kann ich die Komplexität dieses Themas hier niemals abbilden. Wer eine fundierte eigene Meinung entwickeln will, der kommt weder am persönlichen Bibelstudium vorbei noch am eigenen Forschen in den geschichtlichen Quellen und in der gegenwärtigen Wissenschaft.

 

  1. Gedanke: Alle Menschen müssen sich ihrer Sexualität stellen. Fragen nach der Identität, nach sexuellen Fantasien, Sehnsüchten und Verhaltensweisen fordern uns alle heraus. Und jeder von uns ist an dieser Stelle fehlbar und auf die Gnade Gottes angewiesen.

Es ist eine simple Wahrheit: Wer seinen Zeigefinger auf andere richtet, zeigt dabei mit mindestens drei Fingern auf sich selbst. Jesus drückt es wie folgt aus: „Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge?“ (Matthäus 7,3). Wir können dazu neigen, die Verfehlungen der anderen sofort zu erkennen, während wir oft blind bleiben für unsere eigenen. Deshalb habe ich mir vorgenommen: Wenn Jesus spricht, dann will ich so hören, als ob er zu mir spricht. Ich bin gemeint, z.B. auch bei folgender Aussage: „Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.“ (Matthäus 5,28). Ich habe gelernt: Wenn ich Gott mit meinen Haltungen und Handlungen ehren möchte, dann brauche ich dazu seine Gnade und Kraft.

Nun kann jemand natürlich der Meinung sein, dass er seine Sexualität einwandfrei und gottgemäß ausleben würde. Doch das Bewusstsein über die vielen anderen „Baustellen“ des Lebens wird immer wieder dafür sorgen, dass man im Herzen bescheiden bleibt und im Urteil über andere zurückhaltend.

 

  1. Gedanke: Die Geschichte hat gezeigt, dass Homosexuelle sehr viel Ausgrenzung, Unterdrückung und Gewalt erfahren haben – auch verursacht von Christen, im Namen Gottes und im Auftrag der Bibel. Das ist beschämend.

Viele jahrhundertelang wurden Homosexuelle nicht nur gesellschaftlich geächtet, sondern verfolgt, unter Strafe gestellt, als krank abgestempelt oder sogar hingerichtet. Viele Christen haben in dieses Lied eingestimmt und sind mit homosexuell empfindenden und praktizierenden Persönlichkeiten nicht würdevoll umgegangen. Dies finde ich traurig und beschämend.

Ich bin überzeugt: Wer sich in seinem Umgang mit Menschen am Vorbild von Jesus orientiert und wer gleichzeitig die lange Leidensgeschichte der Homosexuellen ernst nimmt, der kann sich gar nicht mit lieblosen und platten Parolen gegen Schwule und Lesben positionieren. Lieblosigkeit ist das Gegenteil dessen, was Jesus seine Jünger gelehrt hat. Deshalb sollten wir immer, auch wenn die Meinungen und Ansichten auseinander gehen, anderen Menschen mit Respekt und Würde begegnen. Dazu gehört auch, dass man ein Bewusstsein für die Vergangenheit und für die gegenwärtige Situation des anderen entwickelt. Denn ohne seinen Kontext kann man den anderen nicht wirklich wahrnehmen.

 

  1. Gedanke: Das erste und höchste Gebot an den Menschen lautet, dass er Gott und seinen Nächsten wie sich selbst lieben soll. Darin besteht die allererste und wichtigste Aufgabe der Christen. Und wer liebt, spricht auch die Wahrheit aus.

Mit dem doppelten Liebesgebot hat Jesus die Hauptstraße aufgezeigt, auf der sich die christliche Ethik fortbewegen sollte (Matthäus 22,34-40). Weil Gott selbst Liebe ist, sollen wir einander lieben. Wir sollen die Würde des Anderen achten, Rücksicht aufeinander nehmen, Verständnis füreinander zeigen, Respekt entgegenbringen. Dies entspricht dem Herzen Gottes. Der Aufruf zur Liebe ist aber kein Aufruf zur Akzeptanz aller Dinge. Dies wäre ein großes Missverständnis. Nicht trotz der Liebe, sondern gerade wegen der Liebe müssen wir manchmal unangenehme Gespräche führen. Das Vertrauen ihrer Kinder gewinnen Eltern nur, wenn sie ihnen auch Grenzen setzen und Konsequenzen aufzeigen. Echte Freundschaft entwickelt sich nur, wenn man sich auch die (manchmal unangenehme) Wahrheit sagen darf. Gesellschaftliches Leben gelingt nur, wenn es Regeln und Leitlinien gibt.

Mir fallen unzählige Momente in meiner pastoralen Laufbahn ein, in denen ich gerade wegen meiner Menschenliebe nicht verschweigen durfte, was ich als biblische Wahrheit erkannt hatte. Ich habe oft erlebt, dass sich Menschen durch Gott und durch sein Wort konfrontiert gefühlt haben. Gerade in unserer auf Individualismus und Selbstverwirklichung ausgerichteten Zeit fällt es Menschen oft schwer, eine maßgebende Instanz von außen zu akzeptieren. Aber wenn wir Gott wirklich Gott sein lassen, ist er dann nicht derjenige, der maßgebend für unser Leben ist? Weiß er dann nicht am besten, was uns gut tut? Sollten wir in unseren entscheidenden Lebensfragen nicht zuallererst seine Absichten herauszufinden versuchen? Gilt das nicht auch bei den Fragen nach unserer Sexualität? Ich denke Ja. Und ich denke, dass echte Liebe auch bedeutet, den anderen in die Wahrheiten Gottes „hinein zu lieben“.

 

  1. Gedanke: Jesus hat sich mit seiner verkündigten Botschaft und mit seinen gelebten Werten nicht an dem Mainstream, also an dem gesellschaftlichen Hauptstrom, orientiert, sondern er hat neue, kulturverändernde Maßstäbe gesetzt. Wer einen Unterschied machen will in dieser Welt, darf sich in seinen Werten auch von dieser Welt unterscheiden.

In einem kurzen Gleichnis spricht Jesus von einer Hausfrau, die den Sauerteig unter das Mehl mengt, bis der ganze Teig durchsäuert ist (Matthäus 13,33). Ich verstehe es so, dass das Reich Gottes vielleicht unauffällig und klein erscheint, aber dort, wo es sich ausbreitet, durchdringt und verändert es die umgebende Kultur und Gesellschaft. Nicht der Teig soll den Sauerteig prägen, sondern der Sauerteig den Teig. Dazu darf er seine Kraft und Andersartigkeit nicht verleugnen. Auch wenn Jesus vom „Salz der Erde“ und vom „Licht der Welt“ spricht (Matthäus 5,13-16), dann erkenne ich darin zum einen die Aufforderung, der Gesellschaft zugewandt zu sein, zum anderen aber auch die Aufforderung, der Gesellschaft neue, kulturverändernde Werte vorzuleben und sie dadurch zu segnen.

Viele Male erscheint uns in der Bibel der Aufruf zur Heiligkeit (z.B. Johannes 17,17 oder 1. Petrus 1,14-16). „Heilig-Sein“ heißt auch „Anders-Sein.“ Christen müssen sich aufgrund ihrer Andersartigkeit nicht verstecken, sondern dürfen diese selbstbewusst und liebevoll zum Ausdruck bringen. Dass sie mit ihren Werten dann oft in der Unterzahl sind, verstehe ich nicht als Schwäche, sondern als Stärke. Als Menschen lernen und wachsen wir am Anders-Sein der anderen.

 

  1. Gedanke: Der Begriff „Homosexualität“ ist den Menschen aus der Entstehungszeit der Bibel unbekannt, der Sachverhalt gleichgeschlechtlicher Verhältnisse hingegen ist ihnen bekannt gewesen.

Wir reden heute anders über gleichgeschlechtliche Partnerschaft als die Menschen zur Zeit der Bibel. Wir verbinden sicherlich auch andere Vorstellungen damit, wie sich gleichgeschlechtliche Partnerschaft ausdrücken könnte. Im Laufe der Geschichte hat sich hier viel gewandelt. Die Standardform homosexueller Beziehungen in der Antike war sicherlich nicht die auf Dauer angelegte und in gemeinsamer Verantwortung bestehende Partnerschaft. Aber die Möglichkeit und der Sachverhalt gleichgeschlechtlicher Verhältnisse waren hinlänglich bekannt und weit verbreitet. Aspekte und Elemente dessen, was erst in der Moderne als „Homosexualität” bezeichnet wird, begegnen aber auch in der Antike.

Schon in den babylonisch-assyrischen Kulten weit vor der Zeit Jesu sowie in den Religionen Kanaans haben sich die stark sexuell bestimmten Gottheiten auch in der Sexualität der Menschen wiedergespiegelt. Dies ist beispielsweise erkennbar an der sowohl heterosexuell als auch homosexuell ausgerichteten Kultprostitution. Mit dem 7. Jh. v. Chr. nahm die Homosexualität deutlich zu, ab dem 6. Jh. war sie recht weit verbreitet (Stichworte: „Heilige Schar von Theben“ oder „Kybelekult“). Im klassischen Griechenland konnten sowohl sporadische als auch feste gleichgeschlechtliche Aktivitäten vorkommen. In Rom soll von den ersten 15 Kaisern lediglich Claudius keine gleichgeschlechtlichen Verhältnisse mit Knaben gehabt haben.

Nach der Zerstörung des Tempels im Jahre 70 wuchs die christliche Kirche aus ihren jüdischen Wurzeln heraus und musste sich in einer multikulturellen und multireligiösen Umwelt positionieren. Hier wäre Anpassung sicherlich der einfache Weg gewesen, aber das Zeugnis der Alten Kirche ist eindeutig: Praktizierte Homosexualität wurde in keiner Weise christlich anerkannt. Seit dem frühen 4. Jahrhundert beschäftigten sich dann auch Konzile und Synoden mit der Frage der Homosexualität. In keinem einzigen Fall ist dabei ein Homosexualität integrierender Beschluss überliefert.

 

  1. Gedanke: In der Bibel gibt es nicht viele Textstellen, die sich explizit mit homosexueller Praxis beschäftigen. Das heißt aber nicht, dass die Bibel dazu nichts zu sagen und Gott dazu keine Meinung hätte. Wir dürfen nicht Häufigkeit mit Relevanz verwechseln.

Wenn in der Bibel homosexuelle Aktivitäten zur Sprache kommen, dann in einer durchgehend negativen Bewertung. Dies geschieht stark vor dem Hintergrund kultischer Homosexualität sowie Päderastie. Doch im Glauben Israels waren Kultus und Alltag immer streng aufeinander bezogen. Es ist nicht vorstellbar, dass auf der einen Seite kultische Homosexualität abgelehnt und auf der anderen Seite profane Homosexualität wertgeschätzt wurde. Genauso wenig ist vorstellbar, dass sich entsprechende Aussagen im Neuen Testament (z.B. Römer 1,18-32 oder 1. Korinther 6,8-11) lediglich auf das sexuelle Treiben der männlichen Oberschichtskreise beziehen. Wenn Paulus an einfache Christen schreibt und darin Aussagen in Sachen Sexualität macht, dann spricht er direkt seine Adressaten und deren Lebensweisen an. Dabei sind auch lesbische Verhältnisse angesprochen (Römer 1,26). Paulus richtet sich auch nicht ausschließlich gegen diejenigen homosexuellen Beziehungen, die von keiner freiwilligen Übereinkunft geprägt sind. Er befürwortet ja auch nicht den Sexualverkehr mit Prostituierten, der durch freiwillige Übereinkunft zustande kommt (1. Korinther 6,15). Auch geht es bei den Aussagen des Neuen Testamentes nicht um den reinen Akt homosexuellen Geschlechtsverkehrs, sondern – wie auch in anderen ethischen Fragen – um die dahinter stehende Gesinnung. Im Kontext von  Römer 1,18-32 ist die Rede von „Gedanken, einem unverständigen Herzen, Begierden, schändlichen Leidenschaften, einem verkehrten Sinn“, etc. Dazu legt Paulus in diesem wichtigen Abschnitt eine tiefere Ursache für die ethische Orientierungslosigkeit des Menschen zugrunde: Seine grundsätzliche Abkehr von Gott. Paulus geht es gewiss nicht darum, Homosexualität als „Sünde aller Sünden“ zu brandmarken. Aber er führt Homosexualität gemeinsam mit 20 (!) weiteren Vergehen auf und beschreibt dadurch Auswirkungen des von Gott losgelösten Menschen. All das sind keine nebensächlichen Gedanken. Im Gegenteil: Die Bibel hat ein starkes Statement über die Sexualität des Menschen zu machen.

Also: Allein die Tatsache, dass andere Themen – wie z.B. Lieblosigkeit, Unversöhnlichkeit oder Geiz – in der Bibel häufiger zur Sprache kommen, macht das Thema Homosexualität nicht zu einem Randthema. Wer so argumentiert, verwechselt Häufigkeit mit Relevanz.

 

  1. Gedanke: Weil Gott den Menschen als Mann und Frau geschaffen hat, gibt es auch eine ursprüngliche Absicht für die Sexualität des Menschen. Die Fortsetzung und Gestaltung des Lebens ist erst in der Polarität beider Geschlechter möglich. Diese Idee Gottes ist der entscheidende Maßstab für die christliche Sexualethik.

Wirklich interessant ist nicht, was die Bibel gegen homosexuelle Beziehungen sagt, sondern was sie für heterosexuelle Beziehungen sagt. Durch die Schöpfungserzählung am Anfang der Bibel erfahren wir, dass sich die Gottesebenbildlichkeit des Menschen in Mann und Frau abbildet (1. Mose 1,27+28). Überhaupt ist die Fortsetzung und Gestaltung des Lebens erst in der Polarität beider Geschlechter möglich. Hier wird eine partnerschaftliche und sexuelle Norm gesetzt, die aus der ursprünglichen Absicht des Schöpfergottes hervorgeht. Dies ist der alles entscheidende Maßstab für die christliche Sicht auf Sexualität. Grundlegend ist auch, dass Jesus diese göttliche Setzung eindeutig bestätigt (Matthäus 19,3-9; Markus 10,2-12). Deshalb können aus meiner Sicht alle anderen Beziehungskonstellationen – unabhängig ihrer gesellschaftlichen Akzeptanz – niemals an die Ursprungsidee Gottes heranreichen. Homosexualität als eine Art Schöpfungsvariante ist der Bibel fremd, wogegen die Partnerschaft zwischen Mann und Frau durchgehend betont wird.

Es ist entscheidend, ob jemand bereit ist, Gott als seinen Schöpfer und Herrn anzuerkennen. Dies würde bedeuten, sich selbst als Geschöpf wahrzunehmen, sich bescheiden unter die Absichten des Schöpfers zu stellen und dessen ursprüngliche Pläne für das eigene Leben zu suchen. Wenn ich die Bibel lese, dann stelle ich fest: Was den Menschen grundsätzlich von Gott trennt, ist sein Egoismus, sein Beharren darauf, sich selbst der eigene Herr zu sein und somit die Maßstäbe für das Leben selbst zu setzen. Damit wir diesen Egoismus überwinden und wieder in Abhängigkeit von sowie in Beziehung mit Gott leben können, ist Jesus am Kreuz gestorben und hat durch seine Auferstehung den Fluch der Trennung von Gott endgültig besiegt. Ein Leben im Glaubensgehorsam gegenüber Gott ist dadurch möglich.

 

  1. Gedanke: Es gibt einen Unterschied zwischen homosexuellem Empfinden und homosexueller Praxis. Unsere Empfindungen können Versuchungen sein, denen es zu widerstehen gilt.

Die biblische Antwort auf die Frage nach sexuellen Praktiken außerhalb der von Gott gesetzten Ehe lautet Enthaltsamkeit (z.B. 1. Korinther 7,8+9). Sexuelles Verlangen an sich wird erst dann zur Verfehlung, wenn es zu einer sexuellen Praxis außerhalb des ehelichen Rahmens kommt. Fantasien, Sehnsüchte und Begierden können Versuchungen sein, denen es mit der Kraft Gottes zu widerstehen gilt. Überhaupt ist es ein Teil der christlichen Alltagspraxis, mit Versuchungen gottgemäß umzugehen (Markus 14,38).

Als Pastor habe ich etliche Persönlichkeiten begleitet, die in dieser Hinsicht stark herausgefordert waren – auch Persönlichkeiten mit homosexuellen Neigungen. Meine seelsorgerliche Verpflichtung sehe ich darin, diese Menschen mit viel Sensibilität und Empathie auf einen Weg innerhalb der von Gott gesetzten Leitplanken zu führen. Hierbei trete ich nicht verurteilend oder besserwisserisch auf, sondern versuche die Herzen der Menschen für die Absichten Gottes zu gewinnen. Gottes Gebote wollen uns nicht einengen, sondern freisetzen für das Leben in seiner Fülle. Sie sind nicht zum Nachteil, sondern zum Vorteil des Menschen gemacht (z.B. Markus 2,27).

 

  1. Gedanke: Der Glaube an Jesus führt zu einem veränderten Lebenswandel. Das heißt auch, dass alte Verhaltensweisen abgelegt und neue angenommen werden. Gottes Kraft kann auch Änderungen im sexuellen Empfinden und Verhalten bewirken.

Das biblische Menschenbild kennt zum einen die Sündengebundenheit, zum anderen aber auch die befreiende Kraft des Evangeliums. Wo negative Gewohnheiten, Verhaltensweisen und Sünden Teil unserer Identität sind, kann diese Veränderung erfahren (2. Korinther 5,17; Galater 6,15). Wenn bisher Begierde, Ehebruch, Bosheit, Neid, Geiz, Trunkenheit, Lästerei usw. das Leben geprägt haben, sollen diese Dinge nun durch die Gnade und Kraft Jesu verändert werden. Das Evangelium hat das Potenzial, uns komplett neu zu machen. Es ist eine alles durchdringende Gotteskraft (Römer 1,16).

Mir ist klar, dass in den allermeisten Fällen Sexualität nicht einfach durch Gebet schlagartig verändert wird. Unsere Sexualität ist ein komplexes Gebilde, zustande gekommen durch genetische Vorbedingungen, Prägungen, Begegnungen, Erfahrungen, Eltern-Kind-Erlebnissen, etc. Aber das Argument, dass Sexualität ein unveränderbarer Teil unseres Seins wäre, ist aus meiner Sicht nicht haltbar. Mit diesem Argument könnten wir uns immer rausreden – egal, welcher Teil unseres Seins und Tuns dringend einer Erneuerung bedarf. Durch Hinwendung zu Christus ist Veränderung hinsichtlich der Sexualität möglich (1. Korinther 5+6). Das Erlösungswerk Jesu will eine unmittelbare Auswirkung auf unser Verhalten haben, auch in Bezug auf den Umgang mit unserem Körper: „Denn ihr seid um einen Preis erkauft worden; verherrlicht nun Gott mit eurem Leib.“ (1. Korinther 6,20).

 

  1. Gedanke: Wir sollten andere Menschen niemals auf ihre Sexualität reduzieren. Unter dem Kreuz begegnen wir uns alle.

Wir sollten Menschen niemals reduzieren – egal, ob jemand Banker ist, ob er eine Glatze trägt, ob er Antidepressiva nimmt, ob er einen Mercedes fährt oder ob er in Kasachstan geboren ist. Wir sollten uns frei machen von solchen Kategorien, weil wir vor Gott alle gleich sind. Unter dem Kreuz Jesu wird uns sowohl die unermesslich große Liebe Gottes als auch die unermesslich große Fehlbarkeit des Menschen offenbar. In dem Bewusstsein meiner Fehlbarkeit möchte ich mich an dem göttlichen Maßstab ausrichten und die Bibel in der gebotenen Bescheidenheit ernst nehmen – und zwar in ihrer geistlichen Autorität sowie in ihrer historischen Verankerung. Dadurch komme ich zu dem Schluss, dass sich nach Gottes Idee Sexualität in der lebenslangen Verbindung von einem Mann und einer Frau abbilden sollte. Indem ich dies festhalte, möchte ich nicht über Menschen urteilen, sondern mich demütig Gott und seinem Wort unterstellen.