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Grundlagen des prophetischen Dienstes (Prophetie Teil III)

von Johannes Justus — abgelegt in Geistwirkungen, Heiliger Geist am 30. Oktober 2018

Wie entsteht und äußert sich Prophetie?

Da ich sehr häufig prophetisch diene und auch über diese Wirkung des Heiligen Geistes lehre, wird mir immer wieder die Frage gestellt, wie Gott durch Prophetie spricht. Wayne Grudem schreibt darüber, dass Prophetie zunächst bedeutet „menschliche Worte auszusprechen, um über etwas zu berichten, das Gott uns in den Sinn gibt.“ Diese Definition sagt mir persönlich zu. Wie ich in meinen letzten beiden Artikeln immer wieder betont habe, ist allerdings nicht alles, was Menschen durch Prophetie weitergeben auch zwangsläufig von Gott.  Mein früherer Weggefährte Günther Karcher sagte darüber: „Prophetie ist Wiedergabe der Gedanken Gottes gebrochen durch das Prisma der eigenen Sprache und gebrochen durch die eigene Persönlichkeit.“ Damit sind prophetische Eindrücke trotz ihrer göttlichen Herkunft auch mit menschlichen Eindrücken vermengt und bedürfen einer Prüfung.

Der Empfang von Gottes Botschaft findet auf verschiedene und unspektakuläre Weise statt. In unseren Kirchengemeinden dominiert wahrscheinlich die „visionäre Prophetie“. Die Glaubenden empfangen „Bilder“, die vom Heiligen Geist inspiriert werden interpretieren sie mit der Hilfe desselben Geistes. Diese Form der Prophetie begegnet uns z.B. bei Petrus Tiervision (Apg 10, 9-24).

Wir sehen in der gesamten Bibel, dass Gott auch durch Träume spricht. Träume sind eine weitere Form der visionären Prophetie. Dabei ist natürlich nicht jeder Traum zwangsläufig von Gott. In Joel 3,1 wird uns verheißen, dass besonders die Alten Träume haben werden. Ich erleb in den letzten Jahren eine Zunahme von Träumen, die ich persönlich empfange. Möglicherweise geschieht dies, da ich älter werde und aufgrund meiner Lebenserfahrung immer mehr dazu neige alle Eindrücke, die ich vom Herrn empfange zu zerpflücken. Gegen die Träume in der Nacht kann ich mich allerdings nicht wirklich wehren.

Bei dem allen muss ich betonen, dass nicht jeder, der prophetisch aktiv ist, Bilder vom Heiligen Geist empfängt. Gott spricht auch durch „auditionäre Prophetie“ zu uns. Gott offenbart sich in Worten, die wir in unserem Inneren hören. Im Neuen Testament ist Saulus Begegnung mit Jesus auf dem Weg nach Damaskus ein berühmtes Beispiel dafür (Apg 9,3-19).

In meinem Buch, das zu einem späteren Zeitpunkt erscheint, werde ich noch auf weitere Formen des Redens Gottes eingehen (z.B. auf Ps 34,9).

Bei allen Offenbarungen Gottes gilt aber festzuhalten, dass sie stets unter der vollen Kontrolle über unser Bewusstsein empfangen werden. In der griechischen Umwelt des Neuen Testaments wurde zwischen Mantik und Prophetie unterschieden. Mantik bedeutet wahrsagen in einer Art Trance und unter einem fremdgesteuerten Zwang. Die redende Person war eine Art Medium und nicht bewusster Ausführender. Bei der neutestamentlichen Prophetie geschieht das Weitersagen einer Botschaft bei wachem und klarem Bewusstsein. So sagt Paulus in 1 Kor 14,32 unmissverständlich, dass „die Geister der Propheten den Propheten untertan sind.“ Der Prophet behält beim Weissagen stets die Selbstkontrolle und muss nicht unter unwiderstehlichem Zwang prophetisch reden.

Der Zweck von Prophetie

In 1 Kor 14,3-4 finden wir einen dreifachen Zweck der Prophetie, welcher zunächst eine seelsorgerliche Dimension hat:

„Wer aber weissagt, redet zu den Menschen zur Erbauung und Ermahnung und Tröstung. Wer in einer Sprache redet, erbaut sich selbst; wer aber weissagt, erbaut die Gemeinde.“

Erbauung

Der Begriff stammt vom Hausbau. Ein Haus wird nach den Methoden und nach dem Plan eines Architekten gebaut, der seinen Bau gut durchdacht hat und ihn solide und belastbar errichtet. So erbaut Prophetie auch seine Zuhörer und schenkt Stabilität.

Ermahnung

Über dieses Wort herrschen leider noch immer einige Missverständnisse. „Paraklesis“ bedeutet so viel wie beistehen oder zusprechen. Hier geht es nicht um eine Mahnung oder Zurechtweisung, wie wir sie im modernen Sprachgebrauch verstehen, sondern darum, einer Person, eine gute Richtung aufzuzeigen. Der Mensch braucht Wegweisung, Stärkung und Festigung auf seinem Weg. Er kommt immer wieder vom Weg ab oder verliert die richtige Richtung. Prophetie schenkt Hilfestellung, wenn man vom Weg abgekommen ist.

Trost

Trost, richtet einen Menschen in seinem Leid und seiner Niedergeschlagenheit wieder auf. Jeder von uns weiß, wie oft man solch eine Festigung braucht. Bei Krankheiten, Verlusten und anderen Problemen steht man oft hilflos da. Unser Herr gibt uns die Prophetie, um seine Gedanken über uns zu offenbaren und um uns damit zu trösten.

Der Zweck von Prophetie ist immer ein dreifacher. Der Mensch wird nicht einfach im Regen stehen gelassen. Prophetie lässt den Zuhörer nicht hoffnungslos dastehen, sondern bietet immer Hoffnung, eine neue Perspektive und einen Ausweg.

Weitere Nutzen

Der Nutzen von Prophetie beschränkt sich aber nicht nur auf die seelsorgerliche Dimension. So offenbart sie auch geistliche Gaben und das in uns wohnende Potential (1 Tim 1,18). Wenn Gott uns anschaut, sieht er nicht nur den Ist-Zustand, sondern auch den Soll-Zustand. In der Prophetie sehen wir den Menschen mit den Augen des Herzens Gottes. Galileo Galilei schrieb einst „Man kann einen Menschen nichts lehren; man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu finden.“ Prophetie tut eben dies: Sie hilft dem Menschen das zu finden, was Gott in uns hineingelegt hat.

Mir begegnen nicht wenige Menschen, die ihr gottgegebenes Potential nicht ausschöpfen. Wenn es nach mir ginge, würde ihnen am liebsten deutlich meine Meinung dazu sagen. Der dreifache seelsorgerliche Zweck der Prophetie hilft mir, ihnen angemessen zu begegnen.

Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche weitere Nutzen, die wir aus der Prophetie ziehen. Paulus betont z.B. auch den evangelistischen Charakter von Prophetie in 1 Kor 14,24:

“Und dann stellt euch vor, ihr alle verkündet prophetische Botschaften. Wenn jetzt jemand dazukommt, der vom Glauben nichts oder nicht viel weiß, macht alles, was ihr sagt, ihm bewusst, dass er ein Sünder ist. Durch alles, was er hört, sieht er sich zur Rechenschaft gezogen.“

Dabei spricht das prophetische Wort nicht immer über die Zukunft. Die Prophetie spricht über alle Zeiten: Vergangenheit, Gegenwart (Apg 5,1) und Zukunft (Apg 11,28).