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Die Geistestaufe (Teil 1)

von Johannes Justus — abgelegt in Geistwirkungen, Heiliger Geist, Pfingsten am 20. Mai 2015

In einigen Tagen wird Pfingsten von Gläubigen aus aller Welt gefeiert werden. Vor allem Menschen, die Pfingsterfahrungen gemacht haben, werden dieses Fest zum Anlass nehmen, um charakteristische Merkmale ihres Glaubens zu würdigen – dazu gehört z.B. die Geistestaufe. Was hat es damit auf sich?

Kurz vor seiner Himmelfahrt spricht Jesus mit seinen Jüngern über die Verheißung des Vaters. Er befiehlt ihnen in Jerusalem zu warten und sagt dann: „Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden.“ (Apostelgeschichte 1,5). Jetzt endlich sollte sich erfüllen, worauf Jesus schon zuvor hingewiesen hatte. Alle vier Evangelien haben davon berichtet (Matthäus 3,11; Markus 1,8; Lukas 3,16; Johannes 1,32+33) und nun spricht Jesus zu den Jüngern, die ihm drei Jahre lang nachgefolgt sind. Sie hatten ihn intensiv kennen gelernt, seine Lehren gehört, an ihn geglaubt sowie Heilsgewissheit und Autorität empfangen. Aber eine entscheidende Erfahrung fehlte ihnen noch: Die Kraftausrüstung durch den Heiligen Geist zum Zeugendienst (Apostelgeschichte 1,8).

Über diese Verheißung kam ich einst beim Spazieren mit einem Bekannten ins Gespräch. Ich versuchte zu beschreiben, dass wir heute mehr denn je die Kraftausrüstung zum Zeugendienst brauchen. Aber mein Bekannter winkte zunächst ab: „Wozu brauche ich das? Ich bin schon ein Kind Gottes.“ Ich sagte ihm: „Es geht ja auch um die Verheißung des Vaters!“ Er wurde stutzig, überlegte und sagte dann: „Okay, ich will es haben. Jetzt!“ Nun ja, wir gingen gerade über den breit angelegten Friedhof in unserer Nachbarschaft. Ich schaute mich kurz um und sagte ihm: „Lass uns lieber nach Hause gehen. Dort bete ich gerne für dich.“ Doch er sank auf seine Knie und machte sich bereit zum Gebet. Was blieb mir jetzt noch anderes übrig? Ich segnete ihn und er erlebte die Taufe mit dem Heiligen Geist.

Die Geistestaufe ist kein Selbstzweck. Sie ist nicht dazu da, einen Christen in einen besonders geistlichen Stand zu erheben. Niemand kann sich selbst rühmen aufgrund der Erfahrung der Geistestaufe. Wie immer, wenn Gott etwas schenkt, gibt es eine klare Zielrichtung. So auch hier: Die Verkündigung des Evangeliums soll in Kraft geschehen. Als Christen sollen wir von Christus reden – das ist unser großer Auftrag – aber wir sollen dies nicht aus eigener Kraft und aus eigenen Möglichkeiten tun, sondern aus der Kraft und aus den Möglichkeiten Gottes. Die Geistestaufe öffnet uns die Tür zu dieser Kraft. Sie macht uns stark und mutig, damit wir entschiedene Zeugen für Jesus sein können.

Heilsgeschichtlich und historisch gesehen war Pfingsten ein einmaliges Ereignis: Denn die Zeit des Heiligen Geistes brach an. Gott wollte fortan durch die Wirkungen seines Geistes unter den Menschen präsent sein. Der Geist sollte die Predigt inspirieren (1. Korinther 2,1-16; Epheser 1,17), von Sünde, Gerechtigkeit und Gericht überführen (Johannes 16,8), Glauben bewirken (2. Korinther 4,13; Galater 5,5), er sollte Wohnung im Gläubigen nehmen (Römer 8,9), Erlösung, Gotteskindschaft und Heilsgewissheit schenken (Johannes 3,5; Römer 8,4-16; Titus 3,5), er sollte Gaben zur Auferbauung der Gemeinde austeilen (1. Korinther 12-14), usw. Doch all diese Wirkungen beschreiben nicht die Geistestaufe. Die Geistestaufe ist die Erfahrung, die die Jünger zu Pfingsten machten. Und diese Erfahrung ist als Verheißung des Vaters allen Kindern Gottes in Aussicht gestellt. Auch noch heute.