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4 Verhaltensmuster, die deine Beziehung oder Ehe ruinieren werden

von Johannes Justus — abgelegt in Beziehung am 12. Januar 2019

Es gibt viele Verhaltensweisen, die wie Gift für Partnerschaften sind. Wir praktizieren sie regelmäßig, ohne zu wissen, welchen Schaden sie anrichten. Ich will 4 wesentliche Verhaltensmuster umreißen, die meiner Erfahrung nach, besonders hinderlich für eine glückliche Partnerschaft sind. Das mache ich natürlich nicht, ohne darauf hinzuweisen, wie man es besser machen könnte. Die Heilige Schrift und die moderne Forschung sind diesbezüglich wunderbare Ratgeber.

1. Verliebe dich in deine Vorstellung von deinem Partner und versuche ihn dementsprechend zu ändern

Sehr oft verlieben sich Menschen nicht in ihren Partner, wie er tatsächlich ist, sondern in die eigenen Vorstellungen oder in ein Idealbild vom Partner. Dieses innere Bild bestimmt das Handeln und den Umgang mit dem Partner. Die Ernüchterung folgt bald: Die Person, die man liebt, passt nicht mehr in die eigenen Vorstellungen und will sich diesen auch nicht anpassen. Man ist verwirrt und die Gefühle schwinden. Dabei war man doch so verliebt. Wo ist das alles geblieben?

Leider hat der Verliebtheitstaumel einen unangenehmen Beigeschmack.  Hirnforscher sprechen davon, dass Verliebte sich in einigen zeitlichen Abschnitten in einem Zustand der Unzurechnungsfähigkeit befinden. Daher wäre es ratsam, stets objektiv zu bleiben und unrealistische Erwartungen zu erkennen.

Erich Fromm schrieb einst: „Ein Irrtum, der zu der Annahme führt, das Lieben müsste nicht gelernt werden, beruht darauf, dass man das Anfangserlebnis, »sich zu verlieben«, mit dem permanenten Zustand »zu lieben« verwechselt.“

Nicht jeder erkennt sofort, dass seine Vorstellungen nicht der Realität entsprochen haben. Viele bleiben in ihren Denkmustern und sind stets bemüht, an dem Partner zu arbeiten. Ich habe auch lange versucht, meine Frau zu verändern, bin dabei aber leider kläglich gescheitert. Ich habe die Bibel auf diesem Gebiet falsch angewandt, die klar sagt: „die Liebe sucht nicht das ihre.“ (1 Kor 13,5)

Zumindest in der Theorie wissen wir alle, dass Verliebtheit und Liebe nicht ganz voneinander zu trennen sind, allerdings zwischen den beiden unterschieden werden muss. In der Praxis fällt manchmal auch letztes schwer, daher will ich kurz erklären wie die Liebe den Partner wahrnimmt.

Die Liebe macht sehend für vorhandene Qualitäten und lehrt mich, mit offenen Augen durchs Leben zu gehen. Sie bewegt mich dazu, mich auf eine Entdeckungsreise zu begeben. Sie bewegt uns dazu, uns gegenseitig wirklich kennenzulernen. Damit zwei Menschen zueinander passen und miteinander glücklich sind, ist ihre Entscheidung erforderlich, für ein Gleichgewicht in der Beziehung zu sorgen – und dies in jeder Hinsicht.

Ein Ehepaar hatte mir Mal erzählt, dass sie die meiste Zeit wie Katz und Hund zusammen leben. Nachdem ich ihnen empfohlen habe eine Auflistung ihrer Lebensthemen vorzunehmen und sie dies taten, verglichen wir die Torten der beiden miteinander. In vielen kleinen Bereichen gab es Überschneidungen, so z.B. in der Gartenarbeit und den politischen Grundüberzeugungen. In manchen Teilbereichen gab es keine Überschneidungen, aber die beiden ergänzten einander darin. Was wirklich interessant war, war der jeweils wichtigste Bereich im Leben. Auf die Frage „Was ist im Leben wirklich wichtig für Sie?“ lautete seine Antwort Basketball und ihre Kunst.

Beide hatten für das wichtigste Thema des Lebenspartners nahezu nichts übrig. Sie sollten sie sich auf die Entdeckungsreise machen. Er sollte mit ihr Mal Kunstaustellungen besuchen und sie Basketball anschauen und mit ihm mitfiebern.

2. Erhebe deine Werte zu dem einzigen Maßstab für euer Zusammenleben

Werte und Prinzipien bilden eine Grundlage für unser Leben. Sie geben einem Halt und offenbaren, was uns Menschen wichtig ist. Menschen mit soliden inneren Werten, entwickeln Selbstvertrauen. Wenn ihnen das genommen wird, verlieren sie an Selbstvertrauen und das eigene Selbstbild beginnt zu bröckeln. Es ist ratsam und wichtig, dass ein Mensch Zugang zu seinen Werten hat. Wenn ein Mensch diesen Zugang hat oder findet, werden dadurch ein großer Teil aller persönlichen Probleme gelöst.

Ich gehe eigentlich davon aus, dass die meisten Menschen bei der Suche nach einem Partner auf seine/ihre Werte achten, denn wenn ich die Werte meines Gegenübers verachte, verachte ich das, was dem Menschen wichtig ist und stelle damit seine Werte und Lebensphilosophie infrage.

Es ist von enormer Bedeutung, die Werte des Partners zu kennen, um ihn/sie besser zu verstehen. Manchmal werde ich dazu von Paaren befragt. Ich empfehle dann, dass jeder der beiden seine 5 – 10 Werte aufschreibt und beide darüber sprechen.

Es ist auch hilfreich bei der Suche nach einem Partner, die eigenen Werte aufzuschreiben und jene, die ich in meinem Gegenüber finden möchte. Dadurch werden meine Augen aufgetan, denn nun kann ich schneller einen passenden Partner finden. Ich bin nun in der Lage zu sehen, was ich wirklich will und was ich nicht will.

So habe ich persönlich meine Frau plötzlich wahrgenommen.  Sie war schon lange in meiner Nähe, aber ich sah sie nicht. Erst als ich mich damit auseinandersetze, was mir eigentlich wichtig ist, sah ich sie. Auch sie hatte natürlich ihre Werte. Einer ihrer Werte war z.B., dass ihr Mann kein Bauch haben sollte. Im jugendlichen Leichtsinn habe ich ihr zugestimmt. Die Rechnung dafür muss ich nun im Alter zahlen. Ich muss ständig darauf Acht geben, dass ich eine gewisse Linie halte.

Manchmal werde ich gefragt, warum ich mir diese Mühe mache. Die Antwort ist simpel: Weil ich ihre Werte respektiere und diese nicht entwerten will.

Durch die Kenntnis der Werte des Gegenübers kann man Freude aneinander haben oder eventuell auch neu entwickeln. So bekommt man ein Ohr und eine neue Leidenschaft für die geliebte Person. Wenn du bisher verschlossen warst für die Werte deines Partners, dann wäre es ratsam sich dafür zu öffnen.

Die Bibel spricht von einem königlichen Gesetz, wenn es um den Umgang miteinander geht: Nun, wenn ihr euch wirklich nach dem königlichen Gesetz richtet, wie es in der Schrift niedergelegt ist: »Liebe deine Mitmenschen wie dich selbst!«, dann handelt ihr gut und richtig. (Jakobus 2, 8)

Einer der Schlüssel zu einer glücklichen Partnerschaft besteht darin, die Werte des anderen wie die eigenen anzunehmen. Man sollte eine Balance zwischen den eigenen Werten und denen des Partners herstellen.

3. Gib deine Fehler nicht zu und übertrage die Verantwortung für deine Fehler auf deinen Partner

Wenn irgendwas nicht klappt, dann berate deinen Partner ohne gefragt zu werden. Dies ist eine Handlungsweise, die verbreiteter ist als viele glauben. Oft praktizieren Menschen ohne dass sie sich im Klaren darüber sind. Vielleicht gehörst auch du dazu?

Fehler zu akzeptieren erfordert innere Größe: Der wichtigere Schritt im Umgang mit Fehlern ist die Bereitschaft, sie zuzugeben und die innere Überzeugung zuzulassen, dass ich Fehler machen kann und vor allem auch darf. Sie gehören einfach zum Leben und Menschsein dazu. Fehler zuzugeben erfordert allerdings innere Größe, denn wir müssen unserem Scheitern und Versagen ins Auge sehen. Sich Fehler einzugestehen braucht wirklich Mut. Das ist wirklich nicht leicht.

Ich vermute, dass jeder Mensch bemüht ist, erfolgreich zu leben und sein Leben zu meistern. Das gelingt allerdings nur, wenn wir scheitern und Fehler machen dürfen. Je mehr Fehler wir machen und je mehr wir scheitern gleichzeitig aber aus den Fehlern lernen, desto weiser werden wir und desto wahrscheinlicher ist es, dass wir mit der Zeit eine großartige Beziehung aufbauen werden.  Jeder, der nach vorne blickt, fällt auch ständig Entscheidungen. Nicht alle sind richtig, aber man korrigiert sie und sich selbst und fährt fort, das Leben zu gestalten.

Sich selbst vergeben: Ich persönlich habe eine Schwierigkeit, mir selbst zu vergeben und das, was ich nicht ändern kann los zu lassen. Oft würde ich gerne die Vergangenheit ungeschehen machen und je länger ich eine Ausrede suche, desto mehr verstricke ich mich darin. Ausreden helfen uns nicht viel. Zugeben und loslassen dagegen mehr. Dabei dürfen wir uns stets darüber im Klaren sein, dass auch jemand anders uns vergeben hat und wieder vergeben wird.

Wo ist ein Gott wie du, der die Sünden vergibt und die Missetaten seines Volkes verzeiht? Der nicht für immer an seinem Zorn festhält, sondern der sich freut, wenn er barmherzig sein kann? Er wird sich wieder über uns erbarmen, alle unsere Sünden zertreten und alle unsere Verfehlungen ins tiefe Meer werfen! (Micha 7, 18- 19)

Dazu hat Wilhelm Busch einst geschrieben: „Die Sünden sind in die Tiefe des Meeres geworfen und da ist angeln verboten.“

So will ich lernen meine Fehler mir selbst zu vergeben und auch nicht mehr nach ihnen zu angeln. Das Gleiche gilt auch für die Fehler meines Gegenübers.

Ein Fehlschlag ist nichts Endgültiges, die meisten Fehler, die wir machen, sind im Verhältnis zu unserem Leben betrachtet, relativ klein. Wenn ich so zurückdenke, an das, was mir so vor einem Jahr Sorgen bereitet hat, dann ist es meistens schon verschwommen und klein.

Von Viktor Frankl stammt der warnende Satz: „Wer sein Schicksal für besiegelt hält, ist außerstande, es zu besiegen.“ Frankl machte damit deutlich, dass wir nicht frei sind von unseren Umständen, aber wir sind frei, das Beste aus ihnen zu machen.

4. Arbeite intensiv mit Schuld

Schuld ist ein schweres Wort und dafür gibt es eine gute Lösung. Durch Jesus Christus und das, was er für uns am Kreuz getan hat, kann unsere Schuld bei ihm abgeben werden und dort gelassen werden. Gott hat uns unsere Schuld vergeben.

Ich finde das Wort Schuld sehr problematisch. Leider ist die Schuld oder das Erzeugen von Schuldgefühlen ein  beliebtes Mittel, um das Gegenüber zu gewissen Handlungen zu führen. Schuld wird eigentlich von jedermann als negativ wahrgenommen und die wenigsten würden von sich sagen, dass sie mit Schuld manipulieren oder jemanden damit zu etwas bewegen, tatsächlich wird sie aber wohl in den meisten Paaren gebraucht. Auch hier ist es uns häufig nicht bewusst.

Kurzfristig kann man mit Schuld und Schuldgefühlen in einer Partnerschaft zu seinem Willen gelangen. Langfristig aber schafft man mit dieser Vorgehensweise aber nur noch mehr Probleme. Schuldgefühle erzeugen Ängste, Scham und schließlich ein Gefühl der Ohnmacht. Der Partner wird quasi innerlich unterworfen. Er redet sich Dinge ein wie „Das habe ich schon früher immer falsch gemacht. Ich bin nicht gut genug.“ Dies kann zur Folge haben, dass der Partner sich zurückzieht oder kalt wird. Wie auch immer die Reaktion sein wird, es gilt festzuhalten, dass eine Partnerschaft, in der mit Schuld und Schuldgefühlen gearbeitet wird, sich immer ungesund entwickeln wird. Schuld wirkt zerstörend. In der Nähe von Menschen, die intensiv mit Schuld arbeiten, will langfristig keiner sein.

Dass deine Bedürfnisse zu kurz kommen ist sicherlich bedauerlich, aber die Schuld beim anderen zu suchen und sie zu benutzen wird euch nicht weiterhelfen. Mir persönlich hilft es, von der Schuld zum Vergeben zu kommen und meine Bedürfnisse klar weiterzugeben. Ich versuche das Geschehene hinter mir zu lassen und frage mich: „Was brauche ich wirklich? Womit habe ich Mühe? Was bereitet mir Sorgen?“

Ein Ehepaar, das ich vor einiger Zeit beriet arbeitete intensiv mit Schuld, die sich auf Begebenheiten aus der Vergangenheit bezog. Ihr wurde wohl schon vor der Hochzeit mitgeteilt, dass er nicht der richtige Mann für sie sei. Letztlich heiratete sie ihn und sie bekamen gemeinsam Kinder. Was nach einem harmonischen Familienleben klingt entpuppte sich allerdings für sie als Karriereblockade. Mittlerweile war einige Zeit vergangen und die Kinder waren aus dem Gröbsten raus. Sie hätte nun die Möglichkeit ihre Karriere fortzuführen, fürchtet aber einen Wiedereinstieg. Er reagierte auf ihre Schuldzuweisungen – wie die meisten darauf reagieren – mit eigenen Schuldzuweisungen verschiedenster Art. Beiden tat es gut, nicht mehr über Schuld zu sprechen, sondern über die eigenen Empfindungen, Ängste und Wünsche.

Unsere Perspektive sollte darauf gerichtet sein, meinem Partner zur eigenen Entfaltung zu verhelfen und nicht ihn für unsere Bedürfnisse zu knebeln. Schuld lässt kein Wachstum der anderen Person zu. Wachstum kann für beide Seiten gelingen, wenn wir lernen, offen und ehrlich über unsere Bedürfnisse und das, was wir fühlen, zu sprechen.